History

Harry Up – How it all began

Irgendwann im Laufe der frühen Siebziger nach der Beatnik-Zeit und auch schon nach der Zeit der Bands mit den ewig langen Stücken machte sich eine neue Bewegung aus Irland und England auf, die Welt zu erobern; der Folk und der Folk-Rock. Jede Menge Provinzbands, wohlgemerkt alle exzellente Musiker, die aber bisher nur in ihrem einheimischen Umfeld gehört worden waren, sonnten sich plötzlich im Weltruhm. „Dat könn’ wa auch,“ dachten sich fünf junge, erfolglose, aber dynamische Amateurmusiker aus Bochum und Essen (Friedel Geratsch, Andreas Hahnefeld, Jürgen Schürdt, Harry Rulf-Quensel, Pollux Fischer), gründeten 1975 auf der Basis eines Fender Twin Reverb, der noch abbezahlt werden musste, die Akustik-Band „Fiddle Friedels Feierabend Show“ und starteten ihrerseits eine Weltkarriere, die kurz hinter den Toren Bochums, so etwa bei den Folk-Clubs Witten und Hagen, auch schon wieder 1978 endete. Gleichwohl wurden in dieser Zeit historische Tondokumente in Duo- und Multiplaytechnik oder auch einfach Live erzeugt, die neben vielen schönen Momenten auch Erinnerungen an die gelegentliche Zusammenarbeit mit heute so berühmten Künstlern wie …äh…äh. (Namen nur auf Anfrage, mit fremden Federn schmücken is’ nich’) unvergesslich machen.

Friedel Geratsch, der geistige Vater, Sänger, Gitarrist und Komponist dieser Gruppe, wandte sich nach seinen Erfahrungen als Straßenmusiker mit „Dicke Lippe “, als Punker mit den „Transistors“ einem Projekt namens „Geier Sturzflug“zu, welches ihm Ruhm, Ehre, Hits, eine affengeile Ansammlung von Gitarren und auch Fans beim Finanzamt einbrachte. Pollux, der parallel als Soundmann und Gelegenheitskomponist die Bochumer Jazzrockband „Schwerpunkt“ unterstützte, wurde durch den Gitarristen Peter Wiesner an die elektrische Gitarre und viele analoge Effekte herangeführt, was zur Gründung der Coverband „Jim Powerhouse – decent music for all occasions“ mit Max Böttcher, Dietrich Becker und Christoph Seidel führen musste.

Durch die notwendige Kanalisierung der kreativen Schübe an deutschen Texten und Rocksongs bildeten Max, Pollux und Harry parallel 1980 die Keimzelle der voll elektrisch verstärkten Rockband „Übergang“, die sich schnell mit ausschließlich selbst verfasster Musik und Texten in der Ruhrgebietsszene etablierte. Frontmann wurde Christoph (Chrido) Hellenthal, den Max, Pollux und Harry auf einem Campingplatz beim Singen erwischt und somit entdeckt hatten, neuer Drummer wurde Peter Lukaczs aus Ungarn, den Max und Harry als Tanzmusiker bzw. Kabinenstewart auf ihren vielen Schiffsfahrten kennen gelernt hatten. Trotz einer durch eine Plattenfirma produzierten Single und des guten Sounds durch Peter Linnenberg am Mischpult kam es nicht zum großen Durchbruch. Die Band machte trotzdem noch einige Jahre live auf kleinen und großen Bühnen weiter und löste sich aus familiär- und hauptberufsbedingten Gründen in aller Stille 1983 auf. Nun trennten sich fast alle musikalischen Wege und die Beziehungen zu den jeweiligen Lebenspartnerinnen wurden durch die Ankunft neuer Erdenbürger festgezurrt. Das in Insider-Kreisen hochgehandelte Tondokument (Single, 45 rpm) „So ein Wahnsinn“ brachte es tatsächlich zu mehreren Einsätzen im Radio in Deutschland und Österreich und befindet sich auf mindestens einer echten Jukebox im Privatbesitz. Es soll aber auch noch einige frei floatende Exemplare geben.

Nicht ganz musiklose – Pollux gründete Mitte der 1980er mit Jürgen Hausmann die Band G4 auf der Basis von überquellenden Schubladen mit eigenen Kompositionen und beide komponierten und produzierten zusammen mit Max die CD „Warum nicht“ – aber sicher windelreiche Jahre mussten vergehen, ehe sich Pollux, Chrido und Harry Ende der 1980er am Küchentisch wieder trafen. Akustisch und mit mehrstimmigem Satzgesang.

Doch noch einmal schlug das Schicksal zu, Pollux nahm 1992 einen Job in Kiel an und verschwand in den Norden, um sich dort sofort den Bands „Life begins at fourty“ und „Street Legal“ mit dem unvergessenen und einzigartigen Frontmann George Crymbal anzuschließen und Kiel und Umgebung zu folk- und bluesrocken.

Da erinnerte sich Chrido daran, dass er ja noch Auszubildende ausbildete. Von einem hatte er gehört, dass er von Musik schon etwas gehört haben solle. „Wenn der so singt, wie er Zähne macht“, musste das ja gut sein. Stoffel, der mit bürgerlichem Namen Christoph Bachmann heisst, bekam sein Casting und schlug wie eine Bombe ein. Fortan gab es ein Trio namens „Fairlane“, welches sich mit ersten Auftritten auf Geburtstagspartys schon feiern lassen konnte. Aber streng nach der Devise „ohne Bass kein Spaß“ fehlten dem Trio die tiefen Töne. Stoffel erinnerte sich seines musikalischen Ziehvaters Peter Czaja aus Hattingen, stöberte ihn in einem Heim für zeitweise beschäftigungslose Musiker auf und konnte ihn dafür gewinnen, den Bass zu zupfen und sonstige niedere Technik-Arbeiten zu verrichten.

Irgendwie muss wohl jeder aus dieser Band mal raus und so trieb es Stoffel nach Dänemark, um seine jugendliche Unerfahrenheit endlich mit einigen Abenteuern zu würzen. Das ist ihm augenscheinlich gelungen. Das war natürlich ein herber Verlust, aber unverdrossen machten sich die restlichen Bandmitglieder auf, adäquaten Ersatz zu finden. Earny, mit seinem in Witten ansässigen Musikladen der Haus-und Hoflieferant der Gruppe, ein exzellenter Gitarrist und ausgebildeter Sänger, wurde engagiert. Die Auftritte häuften sich und man spielte sogar vor richtigen Affen im Tierpark Bochum.

Pollux kam 1996 aus Kiel zurück, natürlich von Heimweh zur Band zermürbt und der Wunsch nach einem Schlagzeuger wurde lauter. Earny ging und widmete sich dem Blues und Peter der Ungar kam in die Band. Das Programm wurde von Grund auf renoviert und die ersten Auftritte mit viel Erfolg absolviert. Der Stil Rockmusik und mehrstimmiger Satzgesang festigte sich.

Da Heimweh sehr grausam sein kann, hilft auch Kopenhagen nicht über den Trennungsschmerz gebürtiger Ruhris, so dass Stoffel, der schon eine große Karriere als dänischer Komiker vor Augen hatte, sich eines Morgens die Augen rieb und wieder in Hattingen aufwachte. Zum Glück gab es diese Band, von der er wusste, dass sie ihn wieder in seinen Schoß aufnehmen würde. Tat sie auch, nur hatten die Jungs sich in „Harry Up“umbenannt, nach der berühmten Lichtgestalt Harry R. aus Bochum, die auch Vorbild für die berühmten Harry Potter Romane wurde und nach der Prinz Harry aus dem Hause Windsor und viele andere bekannte und unbekannte Harrys benannt wurden.

So ging es dann erstmal weiter, bis Peter der Ungar auch den Blues bekam und der Band den Rücken kehrte. Er gab uns aber Lajos, den anderen Ungarn, der aber nur kurz für den Rhythmus verantwortlich zeichnete.

Also suchte die Band einen neuen Schlagzeuger und fand Jürgen Hausmann, gestandener und ausgereifter Trommler, der ja schon früher mit Pollux zusammen bei „G4 “ u.a. mit Cordula Sorci, Dirk Kaltenhäuser und Peter Schulze-Pröbsting im Münsterland gewerkelt und eine hörenswerte CD produziert hatte. Der Sound änderte sich entsprechend und mehrere Auftritte auf größeren Bühnen brachten sehr viel Resonanz und viel Zuspruch.

Doch das Schicksal nimmt wieder seinen Lauf und Stoffel zieht mit Sack und Pack, Mensch und Maus in den Norden; nicht aber ohne sich nach einem großen Abschiedskonzert gebührend zu verabschieden.

Wochenlang passierte gar nichts, es gab keine Auftritte und die Band stand kurz vor dem Ende. Jürgen stieg bei „Higgins Dirty Work“ ein und stand fortan als Leihschlagzeuger für jeden Gig zur Verfügung, bis Ersatz gefunden war. Chrido erinnerte sich, dass er nicht nur Auszubildende ausbildet, sondern ihm fiel plötzlich sein eigener Sohn ein, der ja sich schon seit Jahren zum Schlagzeuger ausbilden liess. Gefragt, getan und Tom Hellenthal unterstützte HarryUp als weiterer Leihschlagzeuger bei Gigs. Mit neuem Schwung wurde wieder begonnen, das alte und neue Repertoire einzuüben und das Publikum nachhaltig zu rocken.

Da nun aber nicht nur Stoffels Stimme und Gitarre sondern auch sein Keyboard fehlte, wurde ein neuer Keyboarder gesucht und in Pasquale Calabrese, Pianist und Schlagzeuger, gefunden, Leider ließen Beruf und Privatleben kaum Zeit und er musste zum Bedauern der Band nach einigen Proben wieder aussteigen.

Gut, dass es Geburtstagsparties gibt. Da man als Musiker nicht ohne Musik leben kann und auch nicht sollte, konnte Pollux auf einer Feier im Sauerland Dietrich Becker überzeugen, dass die Band einen Keyboarder und er eine feste Band braucht und dass er im Grunde aus absolut nicht-nachvollziehbaren Gründen – aber gerade deshalb – die Verpflichtung auch sich selbst gegenüber hat, den Job zu übernehmen. Nach zwei Proben war klar, dass Dietrich immer noch ganz der Alte ist und mit Keyboard, Gitarre und seinem unverwechselbaren Gesang in die Band einsteigt. Inzwischen ist es 2004 und die Band spielt mit zwei exzellenten Leihschlagzeugern 11 Jahre lang in dieser Besetzung Rock, Folkrock und Bluesrock im Ruhrgebiet und Umgebung.

Doch das Leben ist nicht fair. Kaum zwei Wochen nach einer sehr guten Probe mit neuen Stücken, bei denen Max als Arrangeur die Band unterstützt hat, stirbt Dietrich für alle vollkommen unerwartet im August 2015. Trotz der üblichen und z.T. auch spontanen Trennungen in so einer einer langjährigen Bandgeschichte ist das der Punkt, an dem alle Musiker innehalten müssen. Ein Platz im Proberaum wird für immer leer bleiben; ein Freund und Mitmusiker über einen Zeitraum von mehr als 40 Jahren wird für immer fehlen. Die Band macht ein halbes Jahr Pause, die nur durch ein In-Memoriam Konzert im Dezember 2015 mit Musikern aus 40 Jahren Livemucke mit Dietrich Becker, unterbrochen wird. Ein denkwürdiger und schöner Abend; es hätte ihn gefreut.

Doch auch wenn klar ist, dass man einen Menschen und musikalischen Wegbegleiter nicht ersetzen kann, ist auch klar, dass ein Leben ohne Livemusik zwar möglich, aber kein richtiges Leben sein kann. Also wird nach kurzer aber vergeblicher Keyboarder-Suche die Idee auf den Tisch gebracht, einen dritten Gitarristen einzubauen. So gibt ein Wort das andere und Hannes Waschk von „Nick of Time“ kommt in die Band mit Gitarre und Gesang und bringt auch gleich den Schlagzeuger und Sänger Peter Coßmann mit. Neue Musiker machen sofort einen neuen Sound und mit drei Gitarren und sechs Sängern kommt HarryUp seit Mai 2016 in voller Breitseite noch rockiger rüber. Der Satzgesang ist stimmlich und über die diversen Tonhöhen deutlich verstärkt. Aufgrund der z.T. gemeinsamen Schulzeit von fünf Mitgliedern auf dem ehemaligen Staatlichen Gymnasium zu Bochum ist HarryUp somit die wohl älteste Schülerband Bochums.

It’s only Rock’n Roll, but we like it until death pulls us apart. Quod erit demonstrandum.

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